Qualitätssicherung und -entwicklung

Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung: Von der Systemakkreditierung zum Institutionellen Qualitätsaudit (IQA)

Neuordnung des Akkreditierungssystems

Detaillierte Vorschläge für die künftige Gestaltung des Akkreditierungssystems und der Akkreditierungsverfahren hat die HRK auf ihrer Mitgliederversammlung am 8. November 2016 in Mainz verabschiedet.

Die Akkreditierung soll zu einem wissenschaftsnahen Verfahren der Qualitätssicherung und Rechenschaftslegung im Sinne eines Audits umgestaltet werden und sich am europäischen Regelwerk „European Standards and Guidelines (ESG)“ ausrichten. Dabei sollen die Agenturen beratende und organisatorische Dienstleistungen anbieten können; ihre Einbeziehung in Akkreditierungsverfahren aber nicht verpflichtend sein. Entscheidungsinstanz für alle Verfahren soll der Akkreditierungsrat werden. Die Hochschulen sollen mehr Verantwortung für die Qualität ihres Studienangebots selbst übernehmen können und in höherem Umfang als bisher an der Durchführung der Akkreditierungsverfahren beteiligt werden.

Die Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat am 10. Mai 2016 in Berlin den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (Beschluss vom 17. Februar 2016, 1 BvL 8/10) zur Programmakkreditierung zum Anlass genommen, eine erste Empfehlung zu verabschieden, die wesentliche Punkte des Urteils aufgreift und Eckpunkte für die nun erforderliche und mögliche Systemveränderung formuliert. Darin wird die Verantwortung der Hochschulen für die Qualität ihres Studienangebots ebenso betont wie die Bereitschaft, in einem wissenschaftsnahen Verfahren darüber Rechenschaft abzulegen. Die HRK warnt gleichzeitig vor übereilten neuen gesetzlichen Regelungen in den Ländern. Es dürften keine länderbezogenen „Insellösungen“ entstehen, die der nationalen und internationalen Anerkennung im Wege stünden.

Die Mitgliederversammlung der HRK hat am 24.4.2012 in einer Entschließung gefordert, die Systemakkreditierung schnellstmöglich zu einem Institutionellen Qualitätsaudit (IQA) weiterzuentwickeln. Vorrangiges Ziel eines IQA soll es sein, durch Initiierung und Implementierung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses in den Hochschulen die Entwicklung der Qualität von Lehre und Studium zu fördern.

Lehrende und Studierende erhalten dabei ausdrücklich Spielräume bei deren Gestaltung, so dass sie nachhaltig motiviert werden, sich um Qualitätsverbesserungen zu bemühen. Hierdurch wird nicht nur das dezentrale Verständnis von Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium gefördert, sondern auch die Gestaltungsautonomie und die Übernahme von Verantwortung auf Fachbereiche bzw. Fakultäten mit Nachdruck gestärkt.
Zudem realisiert das IQA grundsätzlich die Idee des Studierens im Europäischen Hochschulraum.

Für diese Anliegen weist das IQA folgende Vorzüge auf:

  • es knüpft an die selbstgesteckten Ziele, Strategien und Programme einer Hochschule an und fördert somit deren Autonomie und Profilierung;

  • es legt die Maßstäbe der European Standards and Guidelines (ESG) an, daher ist es kompatibel mit europäischen und internationalen Verfahren der externen Qualitätssicherung an Hochschulen und erleichtert die internationale Mobilität der Studierenden;

  • es richtet sich mit seinem Ergebnis in erster Linie an Studierwillige, Studierende, Eltern, potenzielle Beschäftigte und Arbeitgeber und ist daher ein Instrument im nationalen und internationalen Wettbewerb der Hochschulen um „beste Köpfe“;

  • es induziert keine unmittelbaren verwaltungsrechtlich relevanten Genehmigungsakte und ist insofern staatsfern, aber es rechtfertigt das Vertrauen des Staates, der erfolgreich auditierten Hochschule z.B. per Zielvereinbarungen das Recht zur Genehmigung, Veränderung und Einstellung von Studiengängen zu übertragen;

  • es stellt eine Weiterentwicklung im Vergleich zu den Verfahren der Systemakkreditierung dar.

Der vollständige Text der HRK-Entschließung sowie die deutsche Übersetzung der überarbeiteten Fassung der ESG von 2015 stehen in der rechten Spalte als Download zur Verfügung.

Fachtagung: Forum Systemakkreditierung 20. Januar 2015

Am 20. Januar fand das "Forum Systemakkreditierung" statt, eine Verantstaltung von Akkreditierungsrat und Hochschulrektorenkonferenz. Ziel der Tagung war, den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen systemakkreditierten Hochschulen, Agenturen und Akkreditierungsrat zu fördern und sich über Intentionen, Wirkungen und Potentiale der Systemakkreditierung auszutauschen.

Im Fokus der Fachtagung "Forum Systemakkreditierung" standen folgende Themen:

  • Auswirkung der Systemakkreditierung auf die Qualität des einzelnen Studiengangs,
  • der Umgang der Hochschulen mit dem Regelwerk des Akkreditierungsrates und weiteren Vorgaben,
  • die Beteiligung von externen Expertinnen und Experten bei der Entwicklung und Weiterentwicklung von Studienprogrammen oder auch
  • die Unterschiede und möglichen Synergien zwischen der Systemakkreditierung und anderen externen Begutachtungsverfahren

Zugleich hat das Forum den systemakkreditierten Hochschulen einen intensiven Erfahrungsaustausch untereinander ermöglicht und interessierte Hochschulen über die jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet der Systemakkreditierung informiert.

Präsentationen zur Tagung am 20.1.2015

Plenum

Prof. Dr. Ute von Lojewski, Präsidentin der Fachhochschule Münster
Systemakkreditierung: Intendierte und nicht intendierte Wirkungen an der Fachhochschule Münster

Thomas Sattelberger, ehem. Vorstand Personal Deutsche Telekom AG
Die Systemakkreditierung aus Sicht der Berufspraxis

 

Forum 1: Wie gehen die Hochschulen mit den zahlreichen Regelwerken und Kriterien um? Interpretationsspielräume, Doppelungen und Widersprüche

Prof. Dr. Volker Linneweber, Präsident der Universität des Saarlands

Dr. Christoph Grolimund, Direktor der Schweizerischen Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung (aaq)

 

Forum 2: Auswirkung der Systemakkreditierung auf die Studienqualität
Nur die Programmakkreditierung dient dem „Verbraucherschutz“?

Alexander Buchheister, Studierendenvertreter im Akkreditierungsrat

Kai Schweppe, Leiter Arbeitspolitik, Südwestmetall, Stuttgart

 

Forum 3: Intentionen und Wirkungen, Reichweiten und Grenzen von Verfahren der Systemakkreditierung
Kann die Systemakkreditierung die Entwicklung von Qualitätskultur unterstützen?

Prof. Dr. Philipp Pohlenz, Universität Magdeburg  

Dr. Anke Rigbers, Stiftungsvorstand evalag

 

Forum 4: Systemakkreditierung, Institutionelles Qualitätsaudit, Institutionelle Akkreditierung
Verzahnung und Entwicklung von Synergien

Prof. Dr. Peter Thuy, Geschäftsführer der IUBH School of Business and Management

Daisuke Motoki, Geschäftsführer der FIBAA

 

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