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„Arbeiten in „Zeit und Raum“ – dank digitaler Methoden“

Besucher des "Make Fest" der Justus-Liebig-Universität Gießen
Besucher des "Make Fest" der Justus-Liebig-
Universität Gießen

Mit einem Make Fest ermöglichten die Kleinen Fächer an der Gießener Universität den Besuchern, Innovationen selbst auszuprobieren

Die Idee hat sich Katharina Lorenz in England abgeschaut: Lange forschte die Archäologie-Professorin von der Gießener Justus-Liebig-Universität dort – „und das Format des Make Fests ist dort schon lange etabliert“, erzählt sie: „Es geht darum, Menschen mit Innovationen vertraut zu machen, und zwar, indem sie selbst Hand anlegen können.“ Genau dieses Format hat sie jetzt im Rahmen der Kleine Fächer-Wochen in Gießen eingeführt und beste Erfahrungen damit gesammelt.

Einen Vormittag lang lud sie gemeinsam mit ihrem Historikerkollegen Peter Haslinger, der auch Leiter des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung ist, in einen Projektraum der Archäologie ein. An verschiedenen Stationen konnten sich die Besucherinnen und Besucher dort mit modernen und innovativen Methoden vertraut machen, die in den ausrichtenden Fächern angewendet werden. Besonders spannend an dem Projekt: Es waren vor allem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende aus anderen Kleinen Fächern, die am Make Fest teilnahmen – für sie waren die Eindrücke mit Blick auf eine mögliche Anwendung im eigenen Fach besonders inspirierend.

Katharina Lorenz nutzt für ihre Arbeit mit Begeisterung digitale Technologien. Seit sie vor zwei Jahren nach Gießen berufen wurde, baut sie dort zum Beispiel ein „Living Lab“ auf. Darin geht es etwa um den Einsatz von kostengünstigen digitalen Technologien wie QR-Codes in der Besucherführung von Museen, Online-Tools für die altertumswissenschaftliche Vermittlung und um den Einsatz von Virtual Reality. „Ich sehe seit einiger Zeit, dass Studierende zum Beispiel beim Computerspiel Assassin’s Creed den sogenannten Discovery Mode nutzen – also die Möglichkeit, sich in der virtuellen, antiken Umgebung umzuschauen“, sagt Katharina Lorenz. Trotz aller Schwächen, die eine solche „künstliche Antike“ hat, hält sie den Einsatz der virtuellen Realität in der Archäologie für eine gute Entwicklung. „Sie verändert die Intensität der Erfahrung“, sagt sie – das senke die Eingangshürden für die Beschäftigung mit dem Fach, ermögliche aber letzten Endes auch ein tieferes Verständnis der komplexen Inhalte. „Das hat schon ein wenig die Aura einer Zeitmaschine, die wir uns ja gelegentlich wünschen“, sagt Katharina Lorenz und lacht.

Beim Make Fest in Gießen knüpfte sie an diese Erfahrungen an. „Wir wollten zeigen, welche Werkzeuge es gibt, um Zeit und Raum zu analysieren – das sind die beiden Kategorien, in denen sowohl wir Archäologen als auch die Osteuropahistoriker arbeiten“, erläutert Lorenz das Setting. An einer Station ging es um ie Digitalisierung der universitären Münzensammlung im Kontext des deutschen Verbundprojekts NUMiD. An einer anderen Station zeigte sie das Kartenspiel „Visitor Box“ (www.visitorbox.org), das sie in England gemeinsam mit Kollegen entwickelt hatte und das es Teams ohne einschlägige digitale Vorkenntnisse erlaubt, unterschiedliche Designs für eine Ausstellung mit digitalen Elementen zu entwickeln.

Die Wissenschaftler vom Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung indes führten vor, welche Fragen sie mit Hilfe moderner Datenbanken beantworten können. Da ging es etwa um die Frage, wie man in Breslauer Kirchen einzelne Ausstattungselemente finden und vergleichen kann, was etwa für Kunsthistoriker von Interesse ist. Oder wie man den immer gleichen Ort auf historischen Fotografien aus unterschiedlichen Zeiten finden kann – ein klassisches Kartieren von Informationen, und die Besucher konnten sich mit eigenen Datenbank-Recherchen dann überzeugen, wie sehr es die Forschung voranbringen kann. „Konkrete Anknüpfungspunkte für weitere wissenschaftliche Fragestellungen haben sich aus dem Make Fest nicht ergeben“, bilanziert Katharina Lorenz im Rückblick – aber das sei auch gar nicht vorgesehen gewesen. Zu einem engen Kontakt zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Kleinen Fächern habe die Veranstaltung auf jeden Fall beigetragen. Und: „Wir haben ohne Frage die Basis gelegt für einen weiteren intensiven Austausch.“

Text von Kilian Kirchgeßner.

 

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