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„Eine gute Welle für die Kleinen Fächer“

Römerboot der FAU Erlangen-Nürnberg in Aktion
Römerboot der FAU Erlangen-Nürnberg in Aktion
© EGEA e.V.

Mit Schülerkontaktstudien, persönlichen Einführungen in die kleinen Disziplinen für Abiturientinnen und Abiturienten sowie einem ganz besonderen Flussfahrzeug weckte die Uni Erlangen-Nürnberg Lust auf das Studium.

Die Idee zu dem Boot hatte Althistoriker Boris Dreyer schon vor einer ganzen Weile: „Ich wollte ein Römerboot bauen – diesen Gedanken trug ich lange mit mir herum“, erzählt er. Dass aus dem spleenigen Traum des Althistorikers tatsächlich Wirklichkeit geworden ist, liegt an einer besonderen Kooperation von Experten aus etlichen Fächern an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, darunter auch mehrere Kleine Fächer: Seit 2018 schwimmt das 16 Meter lange Boot auf dem Wasser – und jetzt, im Rahmen der Kleine Fächer-Wochen, wird es auf neue Art und Weise eingesetzt.

Es ist ein imposanter Anblick, den das Boot bietet: Schmal geschnitten ist es, offen und ohne Kabine oder Verdeck, dafür aber mit Bänken für 18 Ruderer. „Als unsere Universität ihr 275. Jubiläum feierte, war das Boot eine ideale Möglichkeit, die Vielfalt der Fächer bei uns zu demonstrieren“, sagt Boris Dreyer im Rückblick: Mit Archäologen, digitalen Graphikern, aber auch Strömungswissenschaftlern und Vertretern aus anderen Ingenieurswissenschaften arbeitete er zusammen, hinzu kamen Fachleute aus dem traditionellen Bootsbau („das können heute nicht mehr viele!“, merkt Dreyer an). „Die Resonanz war riesengroß“, erinnert sich der Professor für Alte Geschichte an den Moment des Stapellaufs vor zwei Jahren: Fernsehbeiträge entstanden, Schulen besuchten das Boot und jede Menge Schaulustige – alles ganz nach der ursprünglichen Intention, die Neugier auf die Wissenschaft im Allgemeinen und die Alte Geschichte im Besonderen zu wecken.

Die Erfahrungen aus diesen ersten Aktionen sind jetzt in die Kleine Fächer-Wochen der Universität Erlangen-Nürnberg eingeflossen: „Wir suchen beständig nach Möglichkeiten, die Chancen nachhaltig zu nutzen, die das Boot bietet“, sagt Boris Dreyer. Nachhaltig bedeutet in diesem Fall, neue Potenziale zu heben – und die vermeintliche Kluft zwischen Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation zu schließen. Bei den Kleine Fächer-Wochen ist das Team mit dem Boot auf Tour gegangen, um auch Orte zu erreichen, wo es bislang nicht vor Anker gelegen hatte – ein größerer Aufwand ist das, weil es für jeden Transport auf einen speziellen Anhänger verladen werden muss. Ist es erst am Zielort angekommen, wirkt das Boot von ganz alleine: „Wir hatten dutzende Latein-, Geschichts- und andere Klassen aller Schultypen und jeden Alters zu Besuch“, sagt Dreyer schmunzelnd – und für ihn und seine Kolleginnen und Kollegen ist es dann jedes Mal eine Gelegenheit, ihr Fach ganz anders zu präsentieren, als es im Unterricht üblicherweise geschieht. Aber auch Vereine und Firmen waren zu Gast: Geschichte zum Anfassen. Das Boot wurde und ist ein „Botschafter der Universität in die Region und darüber hinaus“, wie es Dreyer nennt.

Aber auch für wissenschaftliche Fragestellungen bietet das Boot jede Menge Anhaltspunkte; gerade auch mit Blick auf die Zusammenarbeit von Kleinen Fächern. Wie waren die Zeitumstände, als die Römer jene Boote bauten? Wie war es überhaupt möglich, dass die damaligen Werften auf Befehl des Kaisers 250 solcher Boote in einem einzigen Winter anfertigten? Warum mussten die Römer mit dem sogenannten Patrouillenboot die Rhein-Donau-Grenze überhaupt bewachen, wie griffen die Sicherungsmaßnahmen ineinander? Aber selbst Sportwissenschaftler arbeiten mit dem Boot; sie helfen dabei, Erkenntnisse über die Schnelligkeit, die Wendigkeit des Fahrzeugs und die Ausdauer der Ruderer herauszufinden. Das Römerboot ist aber nicht die einzige Maßnahme, mit der die Kleinen Fächer an der Uni Erlangen-Nürnberg im Rahmen der Kleine Fächer-Wochen aktiv war: Auf Schüler-Kontakt-Seminaren unterrichteten studentische Tutoren in Schulen aus der Umgebung – und verteilten an besonders interessierte Schülerinnen und Schüler persönliche Einladungen zur Langen Nacht der Wissenschaften, verbunden mit einem individuellen Blick hinter die Kulissen der Alten Geschichte, aber auch anderer Kleiner Fächer. Diese Idee mit dem persönlichen Heranführen an die Universität ist einer der Kerngedanken bei den Kleine Fächer-Wochen in Erlangen-Nürnberg: Viele Disziplinen beteiligten sich daran; insgesamt wurden so rund 50 Schülerinnen und Schüler für die Möglichkeiten der Fächer begeistert, die viele Abiturienten nicht im Blick haben.

Text von Kilian Kirchgeßner.

 

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