Hochschulleitungen aus Japan und Deutschland: Austausch zwischen Hochschulen und Gesellschaft braucht klare Leitlinien

14. Mai 2018

„Zum wirtschaftlichen Erfolg von Ländern wie Japan und Deutschland trägt die Interaktion zwischen Hochschulen und anderen Gesellschaftsbereichen entscheidend bei. Für diese so wichtigen Kooperationen braucht es aber klare Regeln.“ Das betonte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Horst Hippler, nach einem zweitägigen japanisch-deutschen Hochschultreffen in Tokyo. Die Hochschulen beider Länder verbindet seit längerem unter anderem die Sorge, von der Politik übermäßig nach wirtschaftlichen Verwertungsinteressen beurteilt und alimentiert zu werden.

„Zukunftsorientierte Hochschulen haben die Verantwortung nicht nur für ihre eigene Entwicklung, sondern für die der Gesamtgesellschaft im Blick. Sie sehen sich der berechtigten Erwartung gegenüber, dass die Hochschulen den Bedarf an Analyse und Know-how der verschiedenen gesellschaftlichen Player in ihrer Arbeit berücksichtigen und dass sie sich in den Diskurs einbringen. Das gilt keineswegs nur für die Wirtschaft, sondern ebenso für Politik, Sozialbereich, Kultur oder Medien. Die Hochschulen dürfen aber nicht zulassen, dass ihr eigentlicher Auftrag in Forschung und Lehre in Frage gestellt oder gefährdet wird. Die japanischen wie die deutschen Hochschulen setzen sich mit der Balance zwischen den verschiedenen Anforderungen intensiv auseinander“, so der HRK-Präsident

An der vierten gemeinsamen Konferenz von Japan Committee of Universities for International Exchange (JACUIE), Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Japanisch-Deutschem Zentrum Berlin (JDZB) nahmen 160 Expertinnen und Experten aus Japan und Deutschland teil, darunter 65 Hochschulleiterinnen und -leiter.

Hippler: „Hochschulen spielen für die wissenschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung eines Landes eine Schlüsselrolle, die sie in konstantem Austausch mit der Gesellschaft definieren und entwickeln müssen. Alle Beteiligten profitieren von diesem Austausch, wenn er denn richtig gemacht wird und die Spielregeln klar und transparent sind. Hochschulen haben das Recht, aber auch die Verantwortung, ihren Stakeholdern und der Öffentlichkeit ihre Potentiale ebenso deutlich zu machen wie die Bedingungen einer unabhängigen Wissenschaft klar zu kommunizieren.“

Die Veranstalter bestärkten die drei Leitprinzipien für eine erfolgreiche Interaktion zwischen Hochschulen und Gesellschaft, auf die sie sich bereits im Jahr 2016 verständigt hatten:

•    Akademisch fundierte Bildung und Ausbildung umfasst nicht nur die Vermittlung von fachlichem Wissen und Handlungskompetenz, sondern auch die Heranbildung einer gereiften Persönlichkeit, die sich in ihrem Handeln an ethischen Grundsätzen orientiert.

•    Die Vielfalt der Fachdisziplinen muss in ihrer jetzigen Qualität erhalten und transdisziplinäre und transsektorale Zusammenarbeit auf allen Ebenen nachhaltig gefördert werden.

•    Sowohl Förderprogramme als auch Kriterien, anhand derer die Leistung der Hochschulen beurteilt wird, müssen dem Wesen und den Ansprüchen von Forschung und Bildung angemessen sein.

(Die drei Veranstalter haben nach der Konferenz eine gemeinsame Pressemitteilung veröffentlicht.)