HRK Hochschulrektorenkonferenz Die Stimme der Hochschulen

Gleichstellung

Gleichstellung

Im deutschen Wissenschaftssystem sind Frauen auf den höheren Qualifikationsebenen sowie in Leitungsfunktionen unterproportional vertreten. Ihr Anteil an den Professuren beträgt 17 %, bei knapp über 10 % liegt ihr Anteil an den Hochschulleitungen.

Dabei stellen Frauen heute die Hälfte der Studienanfänger, Studierenden und Hochschulabsolventen. Doch an den Schnittstellen Hochschulabschluss/Promotion und Promotion/Habilitation scheiden überproportional viele Frauen aus der Wissenschaft aus.

Die Ursachen für das Ausscheiden von Frauen auf dem Weg zu höheren Qualifikationen sind eingehend erforscht. Sie bestehen u.a. darin, dass das deutsche Wissenschaftssystem stark auf individuelle Förderbeziehungen ausgerichtet ist und Frauen dabei seltener zur Weiterqualifikation aufgefordert werden als männliche Absolventen. Frauen werden auch seltener in den Hochschulbereich integriert, ihnen werden häufiger Stipendien als Stellen angeboten.

Außerdem bestehen Defizite bei der Definition von Qualifikationsanforderungen und es fehlt an klaren Regeln bei der Vergabe von Qualifikationsstellen, was oft zu einer Übervorteilung von qualifizierten Frauen führt. Die geringere Beteiligung von Frauen hängt auch mit der zeitlichen Parallelität von wissenschaftlicher Qualifikation und Familiengründung unter den besonderen Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft zusammen. Die Arbeits- und Zeitbelastung ist hoch und die Konkurrenzsituation ist unter Nachwuchswissenschaftlern ausgeprägt.

Die unzureichende Beteiligung von Frauen in der Wissenschaft bedeutet einen Nachteil für das System. Herausragende Talente scheiden in zu großer Zahl aus dem Wissenschaftsbereich aus und das vorhandene Innovationspotential wird nicht abgerufen. Auf dieses Defizit haben vor allem die in der Exzellenzinitiative engagierten ausländischen Experten hingewiesen.

Die Hochschulrektorenkonferenz hat auf der Grundlage dieser Analyse im Jahre 2006 eine Empfehlung "Frauen fördern" verabschiedet, die umfangreiche Maßnahmen zu einer verbesserten Beteiligung von Frauen auf den höheren Ebenen des Wissenschaftssystems enthält. Die Empfehlung richtet sich zum einen an die Hochschulen, aber auch an Bund und Länder, die für geeignete Rahmenbedingungen sorgen sollen, sowie an die Forschungsorganisationen.

Im Jahr 2011 hat die HRK die Empfehlung aus dem Jahr 2006 evaluiert. Die Ergebnisse der Befragung (Link zur Auswertung) zeigen, dass sich in den letzten Jahren enorm viel an den Hochschulen bewegt hat:

  • Flächendeckend sind umfangreiche Maßnahmen im Bereich „Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Karriere“ ergriffen worden.
  • Auch im Bereich des gleichstellungspolitischen Monitorings verfügen die Hochschulen über umfangreiche geschlechtsspezifisch aufbereitete Daten.
    Hier sind allerdings nach wie vor in Bereichen, die nicht Gegenstand der amtlichen Statistik sind, Lücken vorhanden, die noch mehr Aufschluss über Benachteiligungen geben würden.
  • Etwa drei Viertel der Hochschulen geben an, dass Gleichstellungspolitik Gegenstand ihres Leitbildes bzw. ihres Hochschulstrukturplanes ist.
  • 60 % der Hochschulen geben an, dass Gleichstellungselemente im Rahmen der leistungsorientierten Mittelvergabe eine Rolle spielen.
  • Auch in den beiden Bereichen Personalentwicklung und Berufungsverfahren bewegt sich etwas: 4/5 der Hochschulen bekunden, fallweise eine aktive Suche nach geeigneten Frauen zu betreiben. Die Objektivierung der Berufsverfahren hat sich mehr als die Hälfte der Hochschulen zum Ziel gesetzt.
  • Leider lässt sich nicht in allen Fällen sagen, wie weit die Aktivitäten fortgeschritten sind, ob sie also bereits umgesetzt sind und ob sie so angelegt sind, dass sie ihr Ziel auch erreichen. Überhaupt wissen wir wenig über die Wirksamkeit der Maßnahmen.

Zusammenfassend zeigt sich, dass der Aktivitätsgrad hoch ist und viele Hochschulen mittlerweile auch über Einzelmaßnahmen hinausgehende Konzepte entwickelt haben, Organisations- und Fächerkulturen aber nach wie vor die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen im Wissenschaftsbereich erschweren. Auch ist die Förderung von guten Frauen zu selten integraler Bestandteil der Nachwuchsförderung, sondern eine ergänzende Maßnahme. Und die genaue Aufschlüsselung von Fördermaßnahmen, die in jüngerer Zeit ergriffen wurden, zeigt, dass auch hier Frauen oft Benachteiligungen im Vergleich zu ihren männlichen Konkurrenten erfahren, z.B. was Eingruppierungsfragen und Befristungsdauern angeht.
Insofern darf der positive Rücklauf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Durchbruch noch nicht geschafft ist und die Fakten trotz erheblicher Bemühungen der Hochschulen weiterhin ernüchtern.