Bilanz der Kleine Fächer-Wochen

„Ich bin mir sicher, dass die Projekte lange nachwirken“

Peter-André Alt - Päsident der Hochschulrektorenkonferenz
Peter-André Alt - Päsident der Hochschulrektoren-
konferenz. © HRK/David Ausserhofer

Die Zahlen sind beeindruckend: 89 Disziplinen waren bundesweit an den Kleine Fächer-Wochen der Hochschulrektorenkonferenz beteiligt. Sie stellten rund 250 Veranstaltungen auf die Beine, darunter Podiumsdiskussionen, Workshops, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und vieles mehr. Das Ziel: Aufmerksamkeit bündeln, Neugier wecken, Vernetzung fördern und der Öffentlichkeit die Schätze bewusst machen, die in den Kleinen Fächern verborgen sind. Peter-André Alt, der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, im Bilanz-Interview.

Herr Alt, wenn Sie Ihren Eindruck von den Kleine Fächer-Wochen in Schlagworte fassen sollten – welche wären das?
Mir fallen spontan drei Aspekte ein: Die ungeheure Vielfalt an Aktionen, der Austausch von Erfahrungswissen und durchaus auch die Erkenntnis dessen, was noch zu tun ist.

Fangen wir doch mit Letzterem an: Was ist denn noch zu tun?
Der entscheidende Punkt ist meiner Meinung nach, im Bereich der Lehre noch mehr Anknüpfungspunkte zu schaffen. Die Kleinen Fächer zeichnen sich durch eine ungeheure Komplementarität ihrer Angebote aus; diese Vielfalt muss hochschulübergreifend besser nutzbar werden. Das haben auch die Vertreterinnen und Vertreter der Kleinen Fächer erkannt: Einige der geförderten Projekte haben im Rahmen der Kleine Fächer-Wochen bereits denkbare Ansätze aufgezeigt.

Wie fällt sonst Ihre Bilanz der Kleinen Fächer-Wochen aus?
Ich bin beeindruckt vom großen Engagement aller Beteiligten und von den zahlreichen Aktivitäten, die im Rahmen der Kleine Fächer Wochen stattgefunden haben – auch deshalb, weil ich den Weg miterlebt habe, den die Kleinen Fächer in den vergangenen 15 Jahren zurückgelegt haben. An den Universitäten, an denen ich Professuren innehatte, waren die Kleinen Fächer früher durch eine Art splendid isolation geprägt. Das Interesse, sich in größere, fachübergreifende Forschungszusammenhänge einzubringen, war doch eher gering – dabei ist das ja gerade bei den Kleinen Fächern besonders wichtig. In dieser Hinsicht hat sich enorm viel getan, und die Kleine Fächer-Wochen haben unter Beweis gestellt, wie offen, wie neugierig und wie kontaktfreudig die Fächer heute sind.

Verlängern wir diesen Blick in die Zukunft. Was denken Sie: Wie lange werden die Initiativen nachklingen, die durch die Kleine Fächer-Wochen angestoßen wurden?
Ich bin mir sicher, dass die Projekte lange nachwirken. Das Entscheidende ist, dass wir jungen Leuten zeigen, dass es sich lohnt, sich auf die Kleinen Fächer und ihre Themen einzulassen. Wir haben es ja mit einer recht pragmatischen Generation zu tun, die die Tendenz hat, sich bei der Studienwahl vor allem nach den momentanen Tendenzen des Arbeitsmarkts zu richten. Ein Ziel der Kleine Fächer-Wochen war deshalb, sichtbar zu machen, welche Chancen die Kleinen Fächer bieten – und dass man dort Studienbedingungen vorfindet, wie sie es in größeren Fächern selten gibt. Auch das ist ja ein relevantes Kriterium für die Studienwahl. Zugleich ist es auch für die Kleinen Fächer wichtig, Nachwuchs heranzuziehen; Studierende ebenso wie Promovierende, damit die Forschenden jemanden haben, an den sie das Staffelholz weiterreichen können.

Zum Stichwort Nachwuchs: Was läuft denn in den Kleinen Fächern anders als bei den Großen?
Wer eine wissenschaftliche Karriere in den Kleinen Fächern anstrebt, sollte sich bewusst sein, wie wichtig es ist, Aufmerksamkeit zu generieren und sich entsprechend zu vernetzen. Einen Beitrag dazu möchten wir mit unserem neuen Programm „Kleine Fächer: Sichtbar innovativ!“ leisten. Der Wettbewerb richtet sich an Doktorandinnen und Doktoranden sowie an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den ersten fünf Jahren ihrer Postdoc-Phase, die wir dazu anregen möchten, neue Kommunikations- und Vernetzungsstrategien zu erproben. Damit erhält der wissenschaftliche Nachwuchs bereits in einem frühen Karrierestadium die Möglichkeit, sich zu profilieren - bis zu 10.000 Euro können für innovative Maßnahmenpakete eingeworben werden. Gleichzeitig trägt unsere Initiative dazu bei, die Kleinen Fächer untereinander stärker zu vernetzen und öffentlich sichtbarer zu machen. So verbinden wir drei Aspekte, die sich bereits im Rahmen der Kleine Fächer-Wochen als neuralgische Punkte erwiesen haben: Nachwuchsförderung, Vernetzung und Wissenschaftskommunikation.

Das Interview führte Kilian Kirchgeßner.

Zur Person:
Peter-André Alt ist Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Von 2010 bis 2018 amtierte der Literaturwissenschaftler als Präsident der Freien Universität Berlin.

 

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