Promotion

Promotion

Mit der Promotion bestätigt die Universität die Befähigung zu vertiefter selbstständiger wissenschaftlicher Arbeit. Die Ausbildung der Doktorandinnen und Doktoranden bildet im Verständnis der HRK nicht den dritten Studienabschnitt nach dem Erwerb der Grade 'Bachelor' und 'Master', sondern vielmehr die erste Stufe einer Forscherlaufbahn oder jeder anderen Laufbahn, die den Beleg einer eigenständigen Forschungsleistung (Dissertation) voraussetzt.

Das Promotionsrecht wird durch den Staat nur an Universitäten – und gleichgestellte Hochschulen – verliehen, denen daher eine besondere Verantwortung für die Ausgestaltung des Promotionswesens zukommt, auch wenn dieses Recht jeweils von den Fakultäten wahrgenommen wird.

Die praktische Umsetzung der landesgesetzlichen Bestimmungen seitens der Hochschulen geschieht durch Promotionsordnungen, die das Promotionsverfahren (inkl. Zulassungsvoraussetzungen) regeln. Die Promotionsordnungen der Universitäten werden kontinuierlich von der HRK ausgewertet; sie sind in der online Datenbank Hochschulkompass im Segment Promotion unter jedem einzelnen Eintrag verlinkt.

Qualitätssicherung

Die institutionelle Verantwortung bezieht sich allgemein auf das Erreichen eines angemessenen Qualifikationsprofils, das jede Universität unter Einsatz ihrer Reputation und im Kontext der jeweiligen hochschulischen wie außerhochschulischen Fachkultur mit der Verleihung des Doktorgrades bestätigt. In der Medizin wirkt sich die Fachkultur so aus, dass Promotionsprüfungen zumeist im Verlauf und nicht nach Abschluss des Studiums abgelegt werden.

Die HRK bietet den autonomen Hochschulen die Plattform, sich über die föderalen Landesgrenzen und Hochschulgesetze hinweg zu Grundsatzfragen des Promotionswesens zu beraten und abzusprechen. Den Kern bilden Fragen der Qualitätssicherung im internationalen, speziell europäischen Kontext. So ist die HRK Mitglied im Council for Doctoral Education der EUA. Zur Ausgestaltung des Promotionswesens in der EU hat sich die HRK in 2014 nachhaltig an der Entstehung von zwei Positionspapieren beteiligt: zum einen an der von neun europäischen Rektorenkonferenzen verabschiedeten Joint declaration on Doctoral Training in Europe, zum anderen an dem Papier Using the Principles for Innovative Doctoral Training as a Tool for Guiding Reforms of Doctoral Education in Europe der ERA Steering Group Human Resources and Mobility (ERA SGHRM).

Diese Thematik gewinnt in dem Maße an Bedeutung, wie der Stellenwert der Habilitation abnimmt, die globale Vernetzung der Wissenschaft zunimmt und die Wissensgesellschaft auf die wachsende Fachkompetenz ihrer Bürger angewiesen ist.

In diesem Sinne betont die HRK in ihren Entschließungen von 2003 Zur Organisation des Promotionsstudiums, von 2004 Zur Zukunft des Doktorats in Europa und von 2012 Zur Qualitätssicherung in Promotionsverfahren die Notwendigkeit zu soliden Verfahren bei Zulassung, Registrierung und Betreuung der Doktoranden. 

Die HRK regt an, curriculare Qualifizierungsangebote für Doktoranden vorzuhalten und begrüßt die Förderung von Graduiertenschulen oder -kollegs durch Drittmittelgeber. Die HRK empfiehlt ihren Mitgliedern, für Zwecke der so genannten 'strukturierten Promotion' feste Einheiten zu schaffen. Etliche HRK-Mitglieder haben sich im Sinne der HRK-Empfehlungen zu UniWiND zusammengeschlossen.

Das Promotionsrecht als Alleinstellungsmerkmal der Universitäten bedingt es, die Doktorandenausbildung in enger Kooperation mit den anderen Hochschularten und mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu gestalten. Diese anerkennen die Notwendigkeit eines einheitlichen Qualifizierungssystems im Kontext des globalen Universitätssystems; sie bieten im nationalen föderalen Wissenschaftssystem gute Fördermöglichkeiten für junge Wissenschaftler(innen). HRK und MPG haben im März 2008 ein Memorandum of Understanding zur gemeinsamen Doktorandenausbildung unterzeichnet.

Promotion von FH-Absolventen

Nach der hochschulpolitischen Beschlusslage in Deutschland besteht für besonders qualifizierte Diplomfachhochschulabsolventinnen und -absolventen die Möglichkeit, zur Promotion an einer Universität oder gleichgestellten Hochschule zugelassen zu werden, ohne zuvor den universitären Abschluss erwerben zu müssen.

Inzwischen haben alle Bundesländer entsprechende Regelungen hinsichtlich der Promotionsmöglichkeiten für Fachhochschulabsolventinnen und Fachhochschulabsol-venten in ihren Hochschulgesetzen getroffen.

Die Hochschulrektorenkonferenz führt seit dem Jahr 1996 im Abstand von drei Jahren eine Umfrage unter den promotionsberechtigten Fakultäten und Fachbereichen der deutschen Hochschulen durch, um den Stand der Promotionen von Fachhochschulabsolventen zu erheben. Sie verfolgt damit die Praxis in den Hochschulen, die sich nicht zuletzt durch Empfehlungen der HRK seither stark positiv verändert hat.

Die jüngste Erhebung, die für die Prüfungsjahre 2009, 2010, 2011 durchgeführt wurde, belegt, dass immer mehr Fachhochschulabsolventen promovieren und dass die Zahl der erfolgreich abgeschlossenen Promotionen kontinuierlich steigt. In den Ingenieur- und den Naturwissenschaften sind die FH-Absolventen besonders erfolgreich. Die Ergebnisse der HRK-Umfrage "Promotionen von Fachhochschulabsolventen in den Prüfungsjahren 2009, 2010 und 2011"stehen als Download zur Verfügung.

Weitere Informationen

Den Hochschulen ist ein weitgehendes Ermessen zur Regelung der Anforderungen an das Promotionsverfahren eingeräumt. Die Entscheidung über die Zulassung wird nach individueller Prüfung jedes Antrags auf der Basis der geltenden Promotionsordnung getroffen.

Das seit der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes (1998) eingeführte neue Studien- und Abschlusssystem in Deutschland rückte die Problematik der Promotionsmöglichkeiten für Fachhochschulabsolventinnen und Fachhochschulabsolventen in ein neues Licht. Da die neuen Bachelor-/Bakkalaureus- und Master-/Magisterstudiengänge sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen eingerichtet werden können, erhöhten sich die Chancen auf eine Zulassung zur Promotion für Fachhochschulabsolventen deutlich.

Entsprechend dem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) "Zugang zur Promotion für Master-/Magister- und Bachelor-/Bakkalaureusabsolventen" vom 14.04.2000 berechtigen Masterabschlüsse an Universitäten und Fachhochschulen grundsätzlich zur Promotion. "Inhaber von Mastergraden, die an Universitäten oder an Fachhochschulen nach § 19 Hochschulrahmengesetz (HRG) oder im Ausland erworben wurden, sind insoweit den Inhabern von Diplom- oder Magistergraden, die nach § 18 Abs. 1 erworben wurden, gleichgestellt." Dies gilt auch für im Ausland erworbene Mastergrade.

Die „Ländergemeinsamen Strukturvorgaben für die Akkreditierung von Bachelor und Masterstudiengängen", Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.10.2003 i.d.F. vom 04.02.2010, bekräftigen diese Aussage (vgl. Punkt 2.3.)