Die Universitäten als Herzstück der „Initiative Forschung & Anwendung“ der Bundesregierung. Für eine wissenschaftsgeleitete und offene Förderarchitektur


Beschluss der Mitgliedergruppe Universitäten der Hochschulrektorenkonferenz (24.11.2025)

Die im Aufbau befindliche Dachmarke „Initiative Forschung & Anwendung“ kann einen entscheidenden Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Wissenschaftsstandorts Deutschland leisten. Damit sie dieses Potenzial entfalten kann, muss sie das gesamte Spektrum wissenschaftlicher Exzellenz und Anwendungsorientierung abbilden und darf keine sektorspezifische Strukturfördermaßnahme werden. Zukunftsgerichtete anwendungsorientierte Forschung braucht exzellente Grundlagenforschung. Nur an den Universitäten findet beides im Zusammenspiel und in der gesamten disziplinären Vielfalt statt.

Transfer in seiner ganzen Breite durch Akteursoffenheit
Erfolgreicher Transfer umfasst technologische, soziale, ökologische, gesellschaftliche, kulturelle und politische Innovationen gleichermaßen. Er entsteht aus exzellenter Forschung in Interaktion mit Industrie, Staat und Zivilgesellschaft. Im Wettbewerb um öffentliche Fördermittel und die besten Ideen für unser Land bedarf es dringend einer absoluten Akteursoffenheit – kooperativ und wettbewerblich. Förderkriterium muss allein die wissenschaftliche und innovationspolitische Qualität von Vorhaben sein. Eine Engführung auf Konsortialführerschaften eines Hochschultyps würde faktisch ganze Wissenschaftsbereiche ausblenden – insbesondere Medizin, die MINT-Fächer, große Teile der KI-Forschung, aber auch Geistes- und Sozial­wissenschaften. 81 % der in Hochschulen tätigen MINT-Wissenschaftler:innen forschen und lehren an Universitäten – sie bilden damit das Rückgrat jeder anwendungsorientierten Forschung.

Universitäten als Hauptorte des Transfers
Die hohe Beteiligungsquote von Universitäten an den bestehenden Transferprogrammen zeigt, wie eng sie mit außerhochschulischen Partnern, Unternehmen und anderen Hochschultypen zusammenarbeiten und wie stark ihre Netzwerke bereits sind. Ein exklusiver Transferbooster würde diese Ökosysteme fragmentieren. Konsortialführerschaften müssen daher projektbezogen akteursoffen und qualitätsgeleitet sein.

Qualität sichert gute Governance
Die Einrichtung einer Deutschen Anwendungsforschungsgemeinschaft (DAFG) bietet Chancen für eine Bündelung anwendungsorientierter Förderlinien. Die Universitäten bringen hier ihre umfassende Erfahrung in interdisziplinären Verbund- und Transferprojekten ein. Die Gründung einer neuen Organisation darf nicht zu zusätzlicher Bürokratie führen. Angesichts des im Koalitionsvertrag verankerten Bürokratieabbaus muss die DAFG so ausgestaltet werden, dass sie Verfahren verschlankt und nicht verkompliziert. Eine Orientierung an der Selbstverwaltungskultur der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und an der Agilität der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIN–D) ist sinnvoll. Eine gute Governance der DAFG wird der Schlüssel zu einer erfolgreichen Umsetzung sein – im Zusammenspiel von Bund, Ländern, Universitäten, anderen Wissenschafts­organisationen und Wirtschaft.

Für eine integrierte und wissenschaftsgeleitete Förderarchitektur
Die Dachmarke „Initiative Forschung & Anwendung“ wird ein entscheidender Hebel für eine zukunftsgerichtete, innovationsorientierte Wissenschaftspolitik werden, wenn sie die Stärken aller Hochschularten integriert und auf wissenschaftsgeleitete, qualitätsbasierte Verfahren setzt. Die Universitäten stehen bereit, ihre wissenschaftliche Exzellenz, ihre Transfererfahrung und ihre Netzwerke einzubringen – für eine starke und offene Innovationskultur.


Beschluss der Mitgliedergruppe Universitäten der Hochschulrektorenkonferenz vom 24. November
2025

Sprecherin der Mitgliedergruppe Universitäten der Hochschulrektorenkonferenz ist Professorin Dr. Anja Steinbeck.
Kontakt: mguhrk.de

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