Wissenschaftlicher Nachwuchs: HRK-Präsident fordert verlässliche Rahmenbedingungen

21. April 2015

In der vergangenen Woche haben Bund und Länder in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) die Umsetzung einer Initiative für den wissenschaftlichen Nachwuchs vereinbart. Ziel ist, die Berufsperspektiven für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern. Karrierewege sollen verlässlicher und planbarer werden.

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Horst Hippler begrüßte den Vorstoß. Dabei verwies er auf den bereits im vergangenen Jahr von den HRK-Mitgliedshochschulen beschlossenen „Orientierungsrahmen“. Die Empfehlung beschreibt unter anderem, wie die Hochschulen durch Beratungsangebote und Konzepte zur Personalentwicklung den wissenschaftlichen Nachwuchs bei ihrer Karriere unterstützen können. Damit die Hochschulen Stellen für wissenschaftlich Qualifizierte anbieten könnten, sei indes eine angemessene und nachhaltige Finanzierung unerlässlich, so Horst Hippler in Berlin.

„Die Hochschulen haben mit ihren hochschulspezifischen Orientierungsrahmen den Schritt in die richtige Richtung getan“, erklärte Hippler. „Nun müssen Bund und Länder die finanzielle Unterstützung für die Umsetzung geben. Dabei wäre vor allem eine Anschubfinanzierung durch den Bund wünschenswert, um die dauerhafte Förderung durch die Länder – etwa aus den freigewordenen BAföG-Mitteln – zu unterstützen.“

Bei der Konkretisierung ihres Vorhabens müsse die GWK aber auch bedenken, so Hippler weiter, dass die Professur nicht das einzige Karriereziel junger Wissenschaftlerinnern und Wissenschaftler sein könne. „Derzeit beträgt das Verhältnis von Promotionen und frei werdenden Professorenstellen 20:1. Hochschulen, Wirtschaft und Gesellschaft haben aber auch neben der Professur einen immensen Bedarf an hochqualifiziertem wissenschaftlichem Personal“, betonte der HRK-Präsident.

Bei den Stellen in den Hochschulen handle es sich um dauerhafte akademische Positionen in Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement, die für den wissenschaftlichen Nachwuchs attraktive Karriereangebote darstellen. Wenn zusätzliche Professuren geschaffen würden, müssten die Länder dafür Sorge tragen, dass diese zu einer tatsächlichen Verbesserung des Betreuungsverhältnisses beitragen. Bislang müssen Hochschulen mit jeder neu geschaffenen Professur mehr Studierende aufnehmen. Damit bleibt das Betreuungsverhältnis unverändert.

Die Situation des akademischen Personals im deutschen Hochschulsystem ist aktuell dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich zu den bereits vorhandenen Stellen in den letzten Jahren viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch Förderprogramme auf befristete Stellen in das System gekommen sind. Die Zahl der Dauerstellen und Professuren ist im Verhältnis zur Zahl der qualifizierten Nachwuchskräfte proportional nicht mitgewachsen, was die Verbleibs- und Aufstiegschancen stark gemindert hat.

Weitere Informationen: „Orientierungsrahmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses nach der Promotion und akademischer Karrierewege neben der Professur“, Empfehlung der 16. HRK-Mitgliederversammlung am 13.5.2014