Pressemitteilung

Tagung des HRK-Projekts nexus: Hochschulen brauchen Freiräume für Qualitätsentwicklung

12. März 2012

"Unsere Hochschulen wollen Lehrende und Studierende motivieren, sich an der laufenden Verbesserung des Studiums zu beteiligen. Das setzt geeignete Strukturen und Prozesse voraus." Auf der Fachtagung "Studierbarkeit sichern: Studium und Lehre auf dem Prüfstand" forderte HRK-Generalsekretär Dr. Thomas Kathöfer eine Reform der Akkreditierung in Deutschland. Er kündigte an, die nächste Mitgliederversammlung der HRK werde im April das Konzept eines Institutionellen Qualitätsaudits vorlegen.

Unterstützung erhielt Kathöfer von Prof. Dr. Wilfried Müller, Rektor der Universität Bremen und Sprecher des VNU. Er unterstützte in seinem Vortrag die Forderungen zu einer Neugestaltung des Akkreditierungswesens und sprach sich für die Einführung eines institutionellen Qualitätsaudits aus. Denn erst ein solches hochschuladäquates Qualitätsmanagementsystem würde den Hochschulen mehr Freiheit zur Gestaltung ihrer Programme einräumen. Die Veränderung des Institutionengefüges sei eine notwendige Folge, so Müller, weil eine staatliche Genehmigung eben keine Voraussetzung mehr sei und die "Akkreditierungsagenturen sollen nicht mehr Kontroll-, sondern Beratungseinrichtungen an der Seite der Hochschulen sein".

In diesem Zusammenhang würdigte Müller auch das VNU-Pilotprojekt "Studierbarkeit sichern durch Qualitätsmanagement in Studium und Lehre", das einen Beitrag zur Selbstvergewisserung der Universitäten mit dem Ziel des wechselseitigen Lernens und der Verbesserung der Studierbarkeit von Programmen leisten soll und gleichzeitig eine umfängliche Beteiligung der Studierenden vorsieht. Im Projekt wird ein Verfahren erprobt, in dem ein kritisch-konstruktiver Blick von außen, der sich stark an fachwissenschaftlichen Standards orientiert, die Qualitätssicherung und -entwicklung in Studium und Lehre kollegial begleiten soll.

Zuvor hatte sich ein prominent besetztes Panel für die Beibehaltung des hohen Grads an Autonomie für die deutschen Hochschulen ausgesprochen. "Wissenschaft ist intelligenter als Verwaltung", erklärte Dr. Josef Lange, Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen, und ermutigte die Hochschulen, ihre Freiräume kreativ zu nutzen.Ungeachtet des Vorwurfs der Überregulierung sei gute Lehre unabhängig von Strukturen möglich, so Prof. Dr. Babette Simon, Präsidentin der Universität Oldenburg und zukünftige Sprecherin des VNU. Sie unterstrich darüber hinaus die essentielle Bedeutung von Bildung für die partizipative Demokratie über die reine Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt hinaus.

In Workshops diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung Detailfragen zur Ausgestaltung der europäischen Studienreform und weiteren Verbesserung der Studienqualität, etwa zur Kompetenz- und Lernergebnisorientierung des Studienangebots, zur Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen oder zu den Möglichkeiten, welche die Modularisierung für die inhaltliche Strukturierung und Überprüfung bietet.

Lehrende und Studierende wurden gleichermaßen ermutigt, sich verstärkt mit der Weiterentwicklung der Lehre an ihrer Hochschule auseinanderzusetzen - ein Prozess, der in einer Akademie für gutes Lehren und Lernen eine sinnvolle Ergänzung finden könnte. Hierzu möchte nexus ein Forum des Austausches für alle Beteiligten bieten, besonders auch aus den Projekten des Qualitätspakt Lehre.