HRK-Mitgliederversammlung: Hochschulen bei der Integration von Flüchtlingen nicht allein lassen

10. November 2015

Die Hochschulen sind besorgt, dass sie bei der Integration von Flüchtlingen keine ausreichende politische Unterstützung erfahren werden. „Ohne spürbare finanzielle Unterstützung durch die Politik können die Hochschulen die akademische Integration von geflüchteten Menschen, insbesondere während der Studienvorbereitung, bei den zu erwartenden Zahlen nicht gewährleisten“, sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Horst Hippler, nach der Beratung des Themas in der HRK-Mitgliederversammlung heute in Kiel.

Die deutschen Hochschulen engagieren sich seit Monaten intensiv für die Integration von Flüchtlingen, die derzeit in hoher Zahl ins Land kommen. Bislang finanzieren sie die Maßnahmen überwiegend aus den eigenen knappen Haushalten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten freiwillige Mehrarbeit. Vieles wird – gerade auch von Studierenden – ehrenamtlich geleistet. Ihnen gilt unser besonderer Dank für ihr enormes Engagement. Dieser Zustand kann nicht mehr lange aufrechterhalten werden. Es muss sehr zügig eine Konsolidierung erfolgen, um der wachsenden Nachfrage gerecht werden zu können“, warnte Hippler.

Die Mitgliederversammlung hob hervor, dass für den Hochschulzugang und ein erfolgreiches Studium drei Schritte entscheidend seien: eine frühzeitige Bildungsberatung, eine schnellstmögliche Vermittlung sprachlicher, fachsprachlicher und kultureller Kompetenzen sowie eine fachbezogene Studienvorbereitung. Hippler warnte davor, die fachsprachliche Vorbereitung zu unterschätzen: „Weder reichen Kenntnisse der Alltagssprache für ein Hochschulstudium, noch können wir allein auf englischsprachige Angebote setzen.“

„Unser Staat muss in die Studienvorbereitung investieren. Wenn an diesen Angeboten gespart wird, gefährdet das die Integration. Sie legen die Basis für die Wahl des richtigen Bildungswegs und ein erfolgreiches Studium“, sagte Hippler. „Der Ausbau der entsprechenden Infrastrukturen an den Hochschulen ist eine Aufgabe, bei der die Politik die Hochschulen angemessen unterstützen muss. Allein die Kosten für Sprachbildung und Propädeutika sind auf je etwa 4.000 Euro pro Person und Jahr zu beziffern. Von den von Bund und Ländern für die Flüchtlingsfrage bereitgestellten sechs Milliarden Euro muss ein hinreichender Anteil im Bildungsbereich ankommen, weil Bildung ein entscheidender Schlüssel zur Integration ist.“