HRK-Jahresversammlung in Kaiserslautern

11. Mai 2015

Professor Hans Ulrich Gumbrecht (Foto: Thomas Koziel)

Die Situation der Geisteswissenschaften steht im Mittelpunkt der Jahresversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Kaiserslautern. Die Technische Universität Kaiserslautern und die Hochschule Kaiserslautern haben die HRK gemeinsam eingeladen.
Den Festvortrag zum Thema hält der Romanist und Professor für Komparatistik an der Stanford University, Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht.

In seiner Eröffnungsrede betonte HRK-Präsident Prof. Dr. Horst Hippler, trotz der Bedeutung der Geisteswissenschaften müsse auf europäischer Ebene immer wieder für ihren Verbleib auf der forschungspolitischen Agenda gekämpft werden. „Zu sehr stehen dort oft Nützlichkeits- und Verwertungsinteressen im Vordergrund“, so Hippler. Einzelne Staaten stellten die Förderung geisteswissenschaftlicher Forschung ganz ein. Hippler verwies auf problematische Entwicklungen auch in Deutschland: „Einschneidende Sparauflagen vor allem in den finanzschwachen Bundesländern sind immer wieder mit der Schließung kleiner geisteswissenschaftlicher Fächer verbunden. So ist es ebenso wahr, dass sich die Geisteswissenschaften immer wieder behaupten, wie es wahr ist, dass sie immer wieder gefährdet sind. Grund genug, das Thema Geisteswissenschaften heute aufzugreifen!“

Hippler zitierte Festredner Gumbrecht, der zum Abschluss des HRK-Projekts „Kartierung der kleinen Fächer“ die kleinen Fächer als „Laboratorien riskanten Denkens“ bezeichnet hatte. „Damit haben Sie nicht nur einen wichtigen Legitimationsgrund der Geisteswissenschaften genannt, sondern diesen auch mit einem Appell an die Vertreterinnen und Vertreter der Geisteswissenschaften verknüpft, an dem diese Maß nehmen sollen“, sagte der HRK-Präsident.

Hippler erklärte, im vergangenen Jahr seien in Deutschland wichtige hochschulpolitische Schritte erfolgt: die Grundgesetzänderung, die ein dauerhaftes finanzielles Engagement des Bundes bei der Hochschulfinanzierung möglich mache, die Fortsetzung des Hochschulpaktes mit einer leichten Erhöhung der Overhead-Pauschale für drittmittelgeförderte Forschung und die grundsätzliche Einigung über die Fortführung der Exzellenzinitiative. Auch die vollständige Übernahme der BAföG-Kosten durch den Bund, die den Ländern Luft für eine verbesserte Grundfinanzierung der Hochschulen verschaffe, gehöre zu diesen Schritten. Allerdings seien nicht alle Bundesländer dieser Idee gefolgt.

Die HRK werde ihren Beitrag zur Konkretisierung der damit entstandenen Entwicklungsmöglichkeiten für die Hochschulen leisten. Diese benötigten dringend sichere Perspektiven angesichts der ungebrochenen Nachfrage nach einem Hochschulstudium, der unbefriedigenden Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Herausforderungen für die Forschung. Die Situation der Geisteswissenschaften spiegele die des Hochschulsystems insgesamt. Vernünftige finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen sicherten auch den Platz der Geisteswissenschaften an deutschen Hochschulen.

Am morgigen Tag folgt die HRK-Mitgliederversammlung. Die Tagesordnung greift die aktuellen Herausforderungen auf. Beschlüsse sind geplant zu den Themen Zukunft der Exzellenzinitiative, kooperative Promotionen, Orientierungsrahmen für den promovierten Nachwuchs und Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Auf der Tagesordnung stehen auch Franchising in der Medizin und das geplante Freihandelsabkommen mit den USA TTIP. Außerdem wählt die Mitgliederversammlung den HRK-Präsidenten für die Amtszeit vom 1. September 2015 bis 31. August 2018. Zur Wahl stehen der amtierende Präsident, Prof. Dr. Horst Hippler, Prof. Dr. Klaus Dicke, Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Jena, die er von 2004 bis 2014 leitete, und Prof. Dr. Walther Christoph Zimmerli, ehemaliger Präsident der Universität Witten-Herdecke und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus.

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