Pressemitteilung

Hochschulvertreter aus Japan und Deutschland: Grundsätze für ein erfolgreiches Wirken der Hochschulen in der Gesellschaft

6. Juli 2016

v.l.n.r.: Prof. Dr. Markus Hilgert (Direktor Vorderasiatisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz), Prof. Dr. Gerhard Fettweis (Vodafone Chair Mobile Communications Systems, Technische Universität Dresden), Prof. Dr. Horst Hippler (HRK-Präsident), Botschafter Prof. Dr. Takahiro Shinyo, (Präsident Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin), Prof. Dr. Kyosuke Nagata (Präsident Universität Tsukuba und Vorsitzender JACUIE), Dr. Friederike Bosse, (Generalsekretärin Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin), Prof. Dr. Kensei Nagata (Präsident Universität Kurume) (Foto: Dirk Enters)

Der immer lauter werdende Ruf nach unmittelbarer Verwertbarkeit birgt die Gefahr, die langfristigen Ziele von Forschung, Studium und Lehre aus dem Blick zu verlieren. Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer der vierten gemeinsamen Konferenz von Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Japanisch-Deutschem Zentrum Berlin (JDZB) und Japan Committee of Universities for International Exchange (JACUIE) in der letzten Woche in Berlin.

160 Expertinnen und Experten aus Japan und Deutschland – darunter 60 Hochschulleiterinnen und -leiter – diskutierten, wie Innovation und gesellschaftlicher Nutzen im Kontext der unterschiedlichen akademischen Fächer zu verstehen seien und wie die Hochschulen in Japan und Deutschland auf gesellschaftliche Erwartungen reagieren könnten, ohne ihren eigentlichen Bildungsauftrag aufzugeben. Sie verständigten sich auf Basis eines systemischen Innovationsbegriffs auf drei Prinzipien, die nach ihrer Auffassung mit Blick auf ein erfolgreiches Wirken der Hochschulen in der Gesellschaft leitend sein müssen:
 
• Umfassende akademisch fundierte Bildung und Ausbildung bilden die Grundlage für Innovation und gesellschaftlichen Fortschritt. Dazu zählt nicht nur die Vermittlung von fachlichem Wissen und Handlungskompetenz, sondern auch die Heranbildung einer gereiften Persönlichkeit, die sich in ihrem Handeln an ethischen Grundsätzen orientiert.
• Die Vielfalt der Fachdisziplinen muss in ihrer jetzigen Qualität erhalten werden. Gleichzeitig muss
transdisziplinäre und transsektorale Zusammenarbeit auf allen Ebenen nachhaltig gefördert werden.
• Sowohl Förderprogramme als auch Kriterien, anhand derer die Leistung der Hochschulen beurteilt wird, müssen dem Wesen und den Ansprüchen von Forschung und Bildung angemessen sein.

HRK-Präsident Prof. Dr. Horst Hippler: „Hochschulbildung darf nicht auf Wissensvermittlung reduziert werden und Forschung ist mehr als die Generierung schnell verwertbarer Erkenntnisse. Die Studienzeit soll auch eine Zeit der Persönlichkeitsentwicklung sein. Eine stabile Demokratie und eine nachhaltig erfolgreiche Wirtschaft brauchen verantwortungsbewusste Akademiker, die einen möglichst weiten Blickwinkel haben. Das sollten Politik und Wirtschaft im Auge haben, wenn sie ihre Anforderungen an die Hochschulen formulieren.“  

Sein japanischer Kollege Prof. Dr. Kyosuke Nagata, Vorsitzender von JACUIE: „Wir brauchen Wissenschaft, Technologie und Menschen, die sich an Veränderung anpassen. Es kann aber nicht bei Anpassungen bleiben. Menschen sollten Wissenschaften und Technologien entwickeln, die die Gesellschaft in die Zukunft führen können. Das erwarten die Bürgerinnen und Bürger zu Recht von den Hochschulen. Sie sind der Ort, an dem ein breites Spektrum auf freiem Denken basierender akademischer Forschung sowie Individualität und Kreativität der Forschenden und Studierenden gefördert werden.“

Zum Volltext der gemeinsamen Erklärung von HRK, JDZB und JACUIE

Deutsch-japanisches Symposium am 28./29.6.2016