Hochschulzulassung

Hochschulzulassung

Infolge der gestiegenen Anzahl von Studienbewerberinnen und -bewerbern ab den 1960er Jahren entstand in manchen Fächern ein Mangel an Studienplätzen. Das Missverhältnis zwischen Andrang und zur Verfügung stehender Kapazität wurde größer, vor allem im Bereich der Medizin-Studiengänge. Hieraus resultierten die bis heute vorherrschenden örtlichen und bundesweiten Zulassungsbeschränkungen. 

Am 18.7.1972 entschied das Bundesverfassungsgericht in einem Grundsatzurteil, dass die Zulassungsproblematik auch eine verfassungsrechtliche Dimension hat.
Aus Artikel 12 Abs. 1 Satz 1 und Art. 3 Abs. 1 sowie aus dem Sozialstaatsprinzip des Grundgesetzes ergebe sich ein Recht auf Zulassung zum Hochschulstudium, so dass Zulassungsbeschränkungen nur in den Grenzen des unbedingt Erforderlichen zulässig seien.

Voraussetzungen für die Festlegung von Zulassungsbeschränkungen sind hiernach, dass die Ausbildungskapazitäten voll ausgeschöpft sind und die Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber nach sachgerechten Kriterien stattfindet, wobei alle Bewerberinnen und Bewerber zumindest eine Chance auf einen Studienplatz haben müssen.

Auswahlrecht der Hochschulen

Folge dieser Entscheidung war eine Verrechtlichung der Hochschulzulassung und die Ausbildung eines komplexen Auswahlrechts der Hochschulen. Auf diese Weise will man den verfassungsrechtlichen Anforderungen in zulassungsbeschränkten Studiengängen durch die Berücksichtigung unterschiedlicher Kriterien bei der Studienplatzvergabe nachkommen, insbesondere durch gesetzlich oder verordnungsrechtlich festgelegte Quoten.

So werden die Studienplätze in den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen (Human-, Tier-, Zahnmedizin sowie Pharmazie) - nach Abzug der Vorabquoten - 
anhand folgender Quotierung vergeben:

  • 20 Prozent nach der Abiturdurchschnittsnote
  • 20 Prozent nach Wartezeit
  • 60 Prozent im Auswahlverfahren der Hochschulen

Insbesondere die Wartezeitquote soll dabei dem verfassungsrechtlichen Postulat der Chancengerechtigkeit Rechnung tragen. Während die Studienplätze in den Quoten „Abiturbeste“ und „Wartezeit“ von der Stiftung für Hochschulzulassung in Dortmund vergeben werden, werden im Auswahlverfahren der Hochschulen die Studienplätze anhand der von den Hochschulen im jeweiligen gesetzlichen Rahmen selbst festgelegten Kriterien vergeben. Dies ermöglicht den Hochschulen, neben der Note der Hochschulzugangsberechtigung beispielsweise auch vorangegangene berufspraktische Qualifikationen oder die Ergebnisse von Eignungstests oder Auswahlgesprächen zu berücksichtigen.

In den Studiengängen mit örtlicher Zulassungsbeschränkung regeln die Hochschulen das Auswahlverfahren in ihren Satzungen unter Berücksichtigung der jeweiligen landesrechtlichen Regelungen autonom. Die Studieninteressierten bewerben sich direkt bei den Hochschulen für ihren Wunschstudiengang.

Diese gewachsene Autonomie der Hochschulen im Bereich der Hochschulzulassung begrüßt die HRK. Mehrmals hatte sich die HRK hierzu geäußert und gefordert, dass die rechtlichen Vorgaben sich nach Möglichkeit auf die Festlegung allgemeiner Rahmenbedingungen beschränken sollten (Beschluss des 98. Senats der HRK am 10.2.2004 "Zur Neuregelung des Hochschulzulassungsrechts").

Dialogorientiertes Serviceverfahren (DoSV)

Da das gegenwärtige Zulassungssystem den Hochschulen vor allem in den örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen keine vollständige Auslastung ihrer Studienplatzkapazitäten garantiert, hat sich die HRK für die Einrichtung eines so genannten Dialogorientierten Serviceverfahrens ausgesprochen (Beschluss der 2. Mitgliederversammlung der HRK am 27.11.2007 "Zur Situation der Zulassung zum Studium an deutschen Hochschulen"). 

Dieses von der Stiftung für Hochschulzulassung koordinierte Verfahren soll eine schnellere und effizientere Studienplatzvergabe gewährleisten, damit langwierige Nachrückverfahren zukünftig entfallen. Des Weiteren soll die Transparenz für die Bewerberinnen und Bewerber durch die Möglichkeit der webbasierten Nachverfolgung des Bewerbungsstatus erhöht werden. 

Seit dem 16. Mai 2012 steht das Bewerbungsportal den Bewerberinnen und Bewerbern für Studiengänge mit örtlicher Zulassungsbeschränkung zur Verfügung. 
Bislang erfolgt die Bewerbung für die meisten örtlich zulassungsbeschränkten Studiengänge jedoch noch über die Hochschule.

Weiterführende Informationen

Kontakt

Diana Ebert
Tel.: +49 30 206292-21
ebertnospam-hrk.de

Stefanie Busch (Elternzeit)