Frankreich

Frankreich

Mit ihren französischen Partnerorganisationen, insbesondere der Conférence des Présidents d'Université (CPU), der Conférence des Directeurs des Ecoles Françaises d’Ingénieurs (CDEFI), der Conférence des Grandes Ecoles (CGE) und der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) pflegt die HRK engen Kontakt. Die Zusammenarbeit reicht von den jährlichen Treffen der Rektorenkonferenzen und den bilateralen Seminaren der Partnerorganisationen zu hochschulpolitischen Themen über den Abschluss von Rahmenvereinbarungen zur Hochschulzusammenarbeit bis hin zur Begleitung von Reformprozessen im Hochschulbereich.

Die Verbindungen der deutschen Rektorenkonferenz zu Frankreich sind dabei besonders intensiv und traditionsreich. Bereits 1958, in der Phase des Aufbaus der HRK - damals noch WRK -, fand die erste deutsch-französische Rektorenkonferenz statt.

Die meisten formalisierten Kooperationsabkommen deutscher Hochschulen sind mit Frankreich zu verzeichnen. Durch die Deutsch-Französische Hochschule erfährt diese deutsch-französische Zusammenarbeit eine besondere Unterstützung.
Das in Frankreich entwickelte binationale Promotionsverfahren (Cotutelle de thèse) wurde in Deutschland zunächst als Instrument der deutsch-französischen Forschungskooperation eingeführt. Beim Cotutelle de thèse-Verfahren verfassen die Doktoranden ihre Dissertation unter doppelter Betreuung der Doktorväter bzw. -mütter von zwei Universitäten aus verschiedenen Ländern. Dieses Modell der universitären Forschungszusammenarbeit setzte sich auch in Kooperation mit anderen Ländern durch.

Die Zusammenarbeit der HRK mit der Conférence des Présidents d’Université (CPU) ist seit Jahren besonders intensiv. Grundlage für die enge Zusammenarbeit mit der CPU bilden die jährlichen Treffen der Präsidien. Hier tauschen sich HRK und CPU zu ausgewählten Themen und aktuellen Entwicklungsprozessen in beiden Hochschulsystemen aus, darunter Internationalisierung, Autonomie, Finanzierung, Forschungs- und Exzellenzförderung an Hochschulen.

Eine verstärkte Kooperation zur Gestaltung des Europäischen Forschungsraums und die gemeinsamen Aktivitäten im Bereich der Internationalisierung der Hochschulen sollen dazu beitragen, die zentrale Rolle der deutschen und französischen Hochschulen im Bereich von Forschung und Innovation herauszustellen und die Vorstellungen und Visionen gegenüber den europäischen Institutionen deutlich machen.

Vor diesem Hintergrund treffen die Präsidenten von HRK und CPU regelmäßig mit einflussreichen politischen Entscheidern der EU zusammen - zuletzt mit der Kommissarin für Forschung und Innovation Máire Geoghegan Quinn und den Abgeordneten des EU-Parlamentes Maria da Graça Carvalho, Teresa Riera Madurell und Philippe Lamberts.

Gemeinsame Erklärung zum Wesen der Promotion in Europa

CPU, CDEFI und HRK haben sich im November 2014 gemeinsam mit den Rektorenkonferenzen aus Großbritannien, Polen und der Schweiz mit einer gemeinsamen Erklärung an die nationalen Wissenschaftsminister sowie an die EU-Kommission gewandt: Sie warnen davor, das Wesen der Promotion als erster Phase forschungsbasierter Arbeit junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verwässern. In ihrer Erklärung fordern sie, die eigenständige Forschungsleistung als Zentrum der Promotion beizubehalten.

Hintergrund sind Überlegungen von Mitgliedstaaten des Bologna-Prozesses (Europäische Studienreform), die Promotionsphase als so genannten „dritten Zyklus“ den beiden ersten Studienzyklen „Bachelor“ und „Master“ äußerlich und strukturell anzugleichen. So sollen Lernziele von Doktoranden beschrieben, sogenannte ECTS-Leistungspunkte wie an Studierende vergeben und mit einem „Diploma Supplement“ eine Beschreibung der erworbenen Teilkompetenzen von Promovenden erstellt werden. Parallel dazu drängt die EU-Kommission darauf, arbeitsmarktorientierte Zusatzqualifizierungen zu verbindlichen Teilen der Promotion zu machen. (Joint Declaration on Doctoral Training in Europe)

4. Deutsch-Französisches Forschungsforum 2011

Im Rahmen der Vorbereitungen für das 14. Deutsch-Französische Ministertreffen im Jahr 2012 empfahlen die HRK und CPU auf dem gemeinsam gestalteten Atelier „Forschung an Hochschulen“ des 4. Deutsch-Französischen Forschungsforums am 13./14. Oktober 2011 in Berlin die Verbesserung der Informationslage zu Kooperationsmöglichkeiten und Transparenz über die nationalen Forschungsleistungen.

Diese Empfehlung fand Eingang in den Maßnahmenplan des Deutsch-Französischen Ministerrates vom 6. Februar 2012, der sich insbesondere auf zukunftsrelevante Themen bezieht. Insgesamt streben Deutschland und Frankreich eine bessere Vernetzung der Akteure in den Forschungslandschaften, darunter Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Grandes Écoles und Unternehmen, in Deutschland und Frankreich an.

Deutsch-Französische Expertentreffen

Hochschul- und Bildungseinrichtungen beider Länder tauschen sich auf regelmäßigen Expertentreffen aus.

6. Deutsch-Französisches Expertentreffen zur Hochschulpolitik am 1. Juni 2012 an der Humboldt-Universität Berlin:
Für die Hochschulen in Deutschland und in Frankreich stellt die zunehmende Diversifizierung der Studierendenschaft gleichermaßen eine Herausforderung dar, die sie jedoch unterschiedlich angehen. Beiden Hochschulsystemen gemeinsam ist das Streben sowohl nach guter Qualität in der Lehre als auch nach Forschungsexzellenz.
Die Prioritäten bei der Integration heterogener Studierendengruppierungen liegen in beiden Ländern jedoch unterschiedlich. Viele Universitäten und Grandes Écoles in Frankreich bemühen sich insbesondere um den erleichterten Zugang benachteiligter Studierender mit Migrationshintergrund, in Deutschland verschiebt sich der momentane Schwerpunkt, der auf der Gleichstellung der Geschlechter fokussiert, zunehmend auch in diese Richtung.

5. Deutsch-Französisches Expertentreffen zur Hochschulpolitik am 22. Juni 2011 an der Ludwig-Maximilians-Universität München:

Die Experten befassten sich mit Fragen rund um die Doktorandenausbildung und den Berufseinstieg in Deutschland und Frankreich. Wie Deutschland setzt sich Frankreich verstärkt dafür ein, den Berufseinstieg durch bessere Karriereberatung und Berufseinstiegsprogramme zu vereinfachen. Doktoranden werden beispielsweise im Rahmen von Forschungsateliers, Science Slams oder Graduiertenakademien darin trainiert, ihre Forschungsarbeiten vor einem Publikum zu präsentieren.
In beiden Ländern werden Kontakte mit Unternehmen und Wissenschafts­organisationen intensiviert und gepflegt, mögliche Karrierepfade aufgezeigt, die Peer-Gruppenbildung über Graduiertenschulen gefördert und allgemein die Doktorandenausbildung internationalisiert.