Gleichstellung

Gleichstellung

Im deutschen Wissenschaftssystem sind Frauen auf den höheren Qualifikationsebenen sowie in Leitungsfunktionen unterproportional vertreten. Ihr Anteil an den Professuren beträgt 22 %, bei knapp über 17 % liegt ihr Anteil an den Hochschulleitungen. Zwar stellen Frauen die Hälfte der Studienanfänger, Studierenden und Hochschulabsolventen, doch an den Schnittstellen Hochschulabschluss/Promotion und Promotion/Habilitation scheiden überproportional viele Frauen aus der Wissenschaft aus.

Die Ursachen für das Ausscheiden von Frauen auf dem Weg zu höheren Qualifikationen sind eingehend erforscht. Sie bestehen u. a. darin, dass das deutsche Wissenschaftssystem stark auf individuelle Förderbeziehungen ausgerichtet ist und Frauen dabei seltener zur Weiterqualifikation aufgefordert werden als männliche Absolventen. Außerdem bestehen Defizite bei der Definition von Qualifikationsanforderungen und es fehlt an klaren Regeln bei der Vergabe von Qualifikationsstellen, was oft zu einer Übervorteilung von qualifizierten Frauen führt. Die geringere Beteiligung von Frauen hängt auch mit der zeitlichen Parallelität von wissenschaftlicher Qualifikation und Familiengründung unter den besonderen Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft zusammen.

Die Hochschulrektorenkonferenz hat auf der Grundlage dieser Analyse im Jahre 2006 eine Empfehlung "Frauen fördern" verabschiedet, die umfangreiche Maßnahmen zu einer verbesserten Beteiligung von Frauen auf den höheren Ebenen des Wissenschaftssystems enthält. Die Empfehlung richtet sich zum einen an die Hochschulen, aber auch an Bund und Länder, die für geeignete Rahmenbedingungen sorgen sollen, sowie an die Forschungsorganisationen.

Im Jahr 2011 hat die HRK die Empfehlung aus dem Jahr 2006 evaluiert. Die Ergebnisse der Befragung (Link zur Auswertung) zeigen, dass sich in den letzten Jahren Einiges an den Hochschulen bewegt hat: Viele Hochschulen haben über Einzelmaßnahmen hinausgehende Konzepte für die Förderung und Gewinnung von Frauen entwickelt. Organisations- und Fächerkulturen erschweren aber nach wie vor die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen im Wissenschaftsbereich. Die genaue Aufschlüsselung von Fördermaßnahmen, die in jüngerer Zeit ergriffen wurden, zeigt, dass Frauen auch heute noch Benachteiligungen im Vergleich zu ihren männlichen Konkurrenten erfahren, z. B. was Eingruppierungsfragen und Befristungsdauern angeht.

Gemeinsam mit der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten hat die HRK den Arbeitskreis Gleichstellung und Geschlechterforschung ins Leben gerufen, die in regelmäßigen Treffen die Entwicklung in Hochschulen und Wissenschaftspolitik erörtert und neue Ergebnisse aus der Geschlechterforschung diskutiert. Mit diesem regelmäßigen Austausch soll der Kenntnisstand aller Beteiligten verbessert und Maßnahmen für eine verbesserte Gleichstellungspolitik koordiniert werden.

Im Oktober 2015 hat die HRK mit finanzieller Unterstützung des BMBF in Göttingen  eine Tagung „Gendergerechte Führungskultur an Hochschulen“ (Link auf die Ergebnisbroschüre) durchgeführt. Hierbei ging es zentral um die Frage, welchen Beitrag Hochschulleitungen, vor allem auch Frauen in Führungsverantwortung an Hochschulen, leisten können, um die Position von Frauen in der Wissenschaft und im Wissenschaftssystem zu stärken. Als wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Politik der Chancengleichheit wurde die systematische Vorbereitung auf Leitungsfunktionen und eine weitere Professionalisierung der Hochschulleitungen genannt. Künftigen Führungskräften, Männern wie Frauen, muss vermittelt werden, wie wichtig Gleichstellung, personelle Diversität und Personalentwicklung für den Erfolg der einzelnen Einrichtung sind.

Auf der Tagung wurde eine Vernetzung der weiblichen Hochschulleitungen vereinbart. Diese treffen sich nun regelmäßig und tauschen sich über notwendige Schritte für die Veränderung der Führungskultur aus. Darüber hinaus wurde die Zusammenarbeit mit „Führungsfrauen“ aus der außerhochschulischen Forschung intensiviert und der Kontakt zu Frauen, die in Spitzenpositionen der Wirtschaft sind, gesucht. Eine gemeinsame Tagung ist in Planung. Die Kooperation ist von der Überzeugung getragen, dass die Ursachen der Benachteiligung in den verschiedenen Bereichen vergleichbar sind und nur mit vereinten Kräften überwunden werden können.