Finanzierung, Profilbildung und Kooperation

Finanzierung, Profilbildung und Kooperation

Die öffentlich finanzierte Forschung wird in Deutschland zum größten Teil an Hochschulen durchgeführt. Die Einheit von Forschung und Lehre in den Hochschulen erlaubt den sofortigen Transfer neuen Wissens an junge Menschen (analog bei Kunst- und Musikhochschulen). In den Hochschulen wird über die ganze Breite der Wissenschaften geforscht und gelehrt (Forschungslandkarte). Dadurch sind optimale Bedingungen für interdisziplinäre Zusammenarbeit gegeben.

Die Universitäten verbinden die Forschung mit der Förderung von Doktoranden
(Arbeitsfeld "Promotion") und Postdoktoranden, die ihrerseits wichtige Forschungsleistungen erbringen. Dadurch garantieren die Universitäten ein kontinuierliches Qualifikationssystem zugunsten aller Bereiche der Wissensgesellschaft, die in steigendem Maße auf individuelle Forschungskompetenz angewiesen ist.

In den letzten Jahren sind verstärkt die Aufgaben hinzu gekommen, als Partner der Wirtschaft auch den Transfer von Technologie zu unterstützen und allgemein Innovationen zu fördern.

Die Leistungskraft der deutschen Hochschulen in Forschung, Nachwuchsförderung und Transfer in Zeiten der Globalisierung zu bewahren und zu stärken, ist direkt oder indirekt ein Anliegen aller HRK-Maßnahmen.

Die HRK vertritt die institutionellen Interessen der Hochschulen bei der Ausgestaltung der 'Forschungslandschaft'. Die Aktionsfelder der HRK betreffen insbesondere

  • rechtlich-finanzielle Aspekte,
  • Fragen der institutionellen Profilbildung 
  • die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Einrichtungen sowie
  • die Förderung des Dialogs mit der Öffentlichkeit über Forschungsfragen.

Zu letztgenanntem Thema hat die HRK als Mitglied der Allianz der Wissenschaftsorganisationen 1999 die Wissenschaft im Dialog gGmbH mitgegründet.
Im September 2016 startete ebenfalls mit HRK-Beteiligung die Informationsinitiative
Tierversuche verstehen, die sich als Beitrag zur Versachlichung der Diskussion über Notwendigkeiten, Nutzen und Alternativen tierexperimenteller Forschung versteht. Die mit tierexperimenteller Forschung befassten Organisationen der Allianz – Deutsche Forschungsgemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Fraunhofer-Gesellschaft – finanzieren die Initiative. Die HRK ist Ständiger Gast in der Steuerungsgruppe aus Wissenschaftlern und Kommunikationsexperten, die die Arbeit der Initiative und deren Inhalte verantwortet.

Als hochschulpolitisch agierender Zusammenschluss autonomer Hochschulen verfügt die HRK nicht über eigene Fördermittel. Wesentlicher Partner der HRK in Fragen der Hochschulforschung ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der die große Mehrzahl der Universitäten ebenfalls angehört.

Rechtlich-finanzielle Rahmenbedingungen

Die Grundfinanzierung für die Hochschulen ist nicht ausreichend. Im Vergleich zur Grundausstattung nehmen die Drittmittel stetig zu, von 14 % in 1995 auf 32 % in 2013. Die Forschung wird in den Hochschulen etwa je zur Hälfte aus Grundmitteln und Drittmitteln finanziert.

Der Wettbewerb um Drittmittel ist zwar geeignet, die Qualität von Projekten zu erhöhen, führt aber zu Verwerfungen, weil nicht in allen Disziplinen gleichermaßen Projekte eingeworben werden und weil Forschung allgemein nicht kostendeckend über Drittmittel finanziert werden kann, sondern vielmehr weitere Grundmittel benötigt. Dies erschwert eine verlässliche Planung von Forschungsprojekten und Personalkarrieren.

Mit der Novellierung des Grundgesetzes (Art. 91 b) vom Dezember 2014 kann der Bund die Hochschulen nunmehr auch institutionell fördern.

Zur Förderung der universitären Spitzenforschung in Deutschland wurde bereits 2005 die Exzellenzinitiative ins Leben gerufen, die 2016 von Bund und Ländern in der Exzellenzstrategie verstetigt wurde. Die Hochschulrektorenkonferenz begrüßt diese Fortführung. Insbesondere die Schwerpunktsetzung auf forschungsfeldbezogene Kooperationen (Exzellenzcluster) entspricht der Forderung der HRK . Die ersten Entscheidungen über Förderungen in der Linie Exzellenzcluster werden im Herbst 2018 getroffen, in der zweiten Förderlinie der Exzellenzuniversitäten im Sommer 2019.

Institutionelle Profilbildung

Eine institutionell verantwortete Profilbildung bei Forschungsaktivitäten ist heute unabdingbar geworden. Keine Hochschule ist mehr in der Lage, alle Forschungsthemen zugleich auf höchstem internationalem Niveau zu bearbeiten. Die Ausdifferenzierung der wissenschaftlichen Disziplinen einerseits und die Notwendigkeit zur Bildung kritischer Masse sowie zur Bereitstellung relevanter Infrastruktur andererseits bedingen vor Ort eine thematische Schwerpunktsetzung, soll ein weltweit sichtbares Leistungsvermögen garantiert bleiben.

Die HRK begleitet diesen Prozess der Schwerpunktsetzung mit ihrer
Forschungslandkarte. Diese Datenbank gibt den Universitäten und Fachhochschulen überdies die Möglichkeit, entsprechende Maßnahmen bei den anderen HRK-Mitgliedern zu verfolgen.

Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen

Die Universitäten und die außeruniversitären Forschungseinrichtungen stehen in Deutschland vor der Herausforderung, ihre Strategien im Interesse des wissenschaftlichen Fortschritts, der Nachwuchsförderung sowie der Kostenersparnis aufeinander abzustimmen und geeignete Ressourcen zu bündeln. Dieser Prozess wird primär zwischen den Institutionen voran gebracht und von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen begleitet.

Die HRK-Mitgliederversammlung hat 2007 "Eckpunkte für die künftige Zusammenarbeit von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen" verabschiedet, die als Rahmenwerk die Kooperation festigen sollen. Als besonders hilfreich haben sich für die Zusammenarbeit 'gemeinsame Berufungen' erwiesen, wobei die universitäre Professur mit der Leitung eines externen Instituts verbunden wird.

Profilbildung und Schwerpunktsetzung wie auch die kooperationsfördernden Anreize der Exzellenzinitiative unterstützen die Universitäten dabei, auf Augenhöhe die Zusammenarbeit mit den zumeist spezialisierten außeruniversitären Einrichtungen zu gestalten. Diese sind in ihrer Arbeit regelmäßig auf Doktoranden und Postdocs aus den Universitäten angewiesen, denen auch sie gute Forschungsbedingungen bieten können.