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HRK HochschulrektorenkonferenzAudit "Internationalisierung der Hochschulen"

Presseschau

FIBAA-Newsletter 2/2011, Interview mit Dr. Rolf Peter, Projektleiter Audit „Internationalisierung der Hochschulen"


FIBAA: Im November 2008 hat die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) eine internationale Strategie verabschiedet und das Projekt „Audit, Internationalisierung der Hochschulen“ ins Leben gerufen. Was hat die HRK dazu bewegt? Welche Ziele möchte sie dadurch erreichen?

Dr. Peter: In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich der Kontext, in dem deutsche Hochschulen agieren, grundlegend verändert. Wirtschaft, Politik, aber auch die Gesellschaft als Ganze verlangen heute von den Hochschulen, ihre Studierenden zu „Weltbürgern“ heranzubilden und für einen internationalen Arbeitsmarkt auszubilden. Die Forschung an Hochschulen soll dazu beitragen, die großen gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen. Gleichzeitig sehen sich die Hochschulen national und international einem sich verstärkenden Wettbewerb untereinander ausgesetzt.
In ihrer Internationalen Strategie formuliert die HRK die Überzeugung, dass nur eine internationale Hochschule in der Lage sein wird, die an sie gestellten Anforderungen zu erfüllen und damit ihre Stellung im nationalen und weltweiten Hochschulsystem zu behaupten. Deshalb betreibt die HRK weltweit Interessenvertretung für die deutschen Hochschulen und bietet ihren Mitgliedern eine Reihe von Dienstleistungen, um deren Internationalisierung gezielt zu unterstützen. Das HRK-Audit „Internationalisierung der Hochschulen“ ist eine dieser Dienstleistungen.

FIBAA: Durch welche Maßnahmen werden Hochschulen im Rahmen des Projektes „Audit, Internationalisierung der Hochschulen“ bei der Verankerung und Vorantreibung ihres Interna-tionalisierungsprozesses unterstützt?

Dr. Peter: Das Audit bietet eine unabhängige und systematische Internationalisierungsberatung, die passgenau auf die jeweilige Hochschule abgestimmt ist. Die Hochschule durchläuft dabei einen ca. zwölfmonatigen Prozess, der Elemente der Selbstreflexion sowie der externen Beratung beinhaltet. Die zentralen Meilensteine dieses Prozesses sind der SelbstberichtSelbstbericht
Im Selbstbericht dokumentiert die Hochschule den Status Quo ihrer ...
der Hochschule sowie ein dreitägiger Audit-Besuch einer Gruppe international erfahrener Berater an der Hochschule. Ausgehend von einer Analyse des Ist-Zustands unterstützt das Audit die (Weiter-)Entwicklung einer institutionellen Internationalisierungsstrategie und empfiehlt konkrete Maßnahmen, um diese Strategie nachhaltig und effektiv umzusetzen.

Wichtig dabei ist, dass die Beratung sowohl individuell als auch ganzheitlich ist. Hochschulen unterscheiden sich in Profil und Mission; sie agieren in unterschiedlichen regionalen Kontexten: Was für Hochschule A gut ist, ist nicht automatisch auch für Hochschule B geeignet. In diesem Sinne muss auch die Internationalisierungsstrategie einer Hochschule „maßgeschneidert“ sein. Außerdem muss eine strategische Internationalisierung alle Schaffensbereiche der Hochschule umfassen – angefangen mit Lehre und Studium, über die Forschung bis hin zu Verwaltung und Management.

FIBAA: Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Internationalisierung der deutschen Hochschulen in den letzten Jahren entwickelt? Wie erfolgreich sind deutsche Hochschulen bei diesem Prozess und wo stehen sie im europäischen und internationalen Vergleich?

Dr. Peter: Allgemein wird Internationalisierung heute wesentlich wichtiger genommen und bewusster betrieben als noch vor einigen Jahren. Sie ist heute nicht mehr Kür, sondern Pflicht und gehört zum Kerngeschäft der meisten deutschen Hochschulen. Damit einher geht eine systematischere Herangehensweise: Internationalisierung wird nicht mehr nur von einzelnen „Überzeugungstätern“ aktiv betrieben, sondern zunehmend auf allen Ebenen der Hochschulen – auch an ihrer Spitze – professionell gemanagt.

In einigen Aspekten der Internationalisierung – v. a. im Bereich der Studierendenmobilität – gehören deutsche Hochschulen seit vielen Jahren zur Weltspitze. So ist Deutschland eines der beliebtesten Zielländer für ausländische Studierende weltweit. Diese entscheiden sich vor allem aufgrund der hohen Reputation des deutsche Bildungssystems, der wahrgenommenen persönlichen Sicherheit und der geringen Studienkosten für ein Studium in Deutschland. Während der Hochschulstandort Deutschland für ausländische Studierende bereits sehr attraktiv ist, wird es in Zukunft darauf ankommen, noch mehr ausländische Wissenschaftler ins Land zu holen. An den Hochschulen ist der Anteil des ausländischen wissenschaftlichen Personals im internationalen Vergleich auffällig gering.

FIBAA: Welche Schwierigkeiten, Ihrer Erfahrung nach, treffen deutsche Hochschulen im Rahmen ihres Internationalisierungsprozesses? Wie kann man, Ihrer Meinung nach, diesen entgegen wirken?

Dr. Peter: Um gleich beim Thema „internationales wissenschaftliches Personal“ zu bleiben: Sicherlich bildet das geltende Berufungs- und Besoldungsrecht ein Hindernis für die Rekrutierung von Wissenschaftlern aus dem Ausland. Zu oft sind deutsche Hochschulen nicht in der Lage, international konkurrenzfähige Gehälter zu zahlen. Zudem fehlen häufig langfristige Karriereperspektiven. Hier benötigen die Hochschulen mehr Handlungsspielräume von Seiten der Landesregierungen.

Hochschulintern ist der häufig unausgesprochene Konflikt zwischen Zielen der Individuen, der Fakultäten und der Hochschulleitung eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer institutionellen Gesamtstrategie der Internationalisierung. Hier bedarf es verbesserter Kommunikationsstrukturen und Abstimmungsprozesse. Die endogene Strategieentwicklung wird allerdings auch dadurch behindert, dass den Hochschulen kaum eigene Finanzmittel für Internationalisierungszwecke zur Verfügung stehen. Die Umsetzung von Internationalisierungsmaßnahmen hängt in erheblichem Maße von der Einwerbung von Drittmitteln und damit von der Programmatik der Fördereinrichtungen ab.

FIBAA: Sehr geehrter Herr Dr. Peter, wir danken Ihnen herzlich, dass Sie unsere Fragen beantwortet haben und unsere Leser über das Projekt der HRK zur Unterstützung der internationalen Strategie der Hochschule informiert haben.

Quelle: FOUNDATION FOR INTERNATIONAL BUSINESS ADMINISTRATION ACCREDITATION
(FIBAA), Newsletter 2/2011

http://www.fibaa.org