11. Dezember 1997 - HRK/63/97
HRK-Präsident zur neuen OECD-Bildungsstudie: Deutsche Hochschulen schlechtgerechnet!
Zur Veröffentlichung der OECD-Indikatoren für Bildungsausgaben und zur Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes zu den Ausgaben der Hochschulen im Jahr 1995 erklärt der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Professor Dr. Klaus Landfried, am 11.Dezember in Bonn:
- Bundesbildungsminister Rüttgers hat den Hochschulen vorgeworfen, Ausgaben von 50 Milliarden DM ineffizient für die Ausbildung einzusetzen. Dazu ist festzustellen:
- Die Gesamtausgaben der Hochschulen 1995 betrugen 48,7 Milliarden DM.
- In diesen Mitteln sind 14,1 Milliarden DM Ausgaben für Krankenversorgung enthalten, die von den Krankenversicherungen finanziert und nicht Lehre und Forschung dienen.
- In den 48,7 Milliarden DM sind ferner rund 15 Milliarden DM für Forschung und Entwicklung enthalten. Davon entfallen 4,1 Milliarden DM auf von den Hochschulen eingeworbene Drittmittel.
- Demzufolge stehen für Lehre und Infrastruktur in den Hochschulen nicht 50 Milliarden, sondern lediglich 20 Milliarden DM pro Jahr zur Verfügung.
- Festzuhalten bleibt, daß nach den Angaben der OECD die Ausgaben in Deutschland für Bildung, Ausbildung und Qualifikation der jungen Generation auch unter Einbeziehung der Mittel für Forschung und Entwicklung sowie der Ausgaben der Wirtschaft für die Berufsausbildung unter dem Durchschnitt aller OECD-Staaten liegt.
- Die Studienzeit der Absolventinnen und Absolventen aller deutschen Hochschulen betrug im Jahr 1995 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 5,7 Jahre, nicht 6,7 Jahre. Wer - wie die OECD - die durchschnittliche Studiendauer an Universitäten von 6,7 Jahren wider besseres Wissen mit der durchschnittlichen Studiendauer der Absolventen aller Hochschulen gleichsetzt, verletzt die Grundregeln statistischer Sorgfalt. Dies gilt in erhöhtem Maße, wenn daraus die Kosten pro Absolvent hochgerechnet werden. Rund ein Drittel der Absolventen des Jahres 1995 kommt aus Fachhochschulen mit einer Gesamtstudienzeit von 4,4 Jahren. Demzufolge sind die von der OECD angegebenen Kosten pro Absolvent falsch.
Wer in die Ausgaben der Hochschulen für Lehre und Studium die Ausgaben für Forschung und Krankenversorgung einbezieht, redet die Leistungen der deutschen Hochschulen schlecht.
Unstrittig ist aus der Sicht der Hochschulrektorenkonferenz, daß für den Hochschulbereich Strukturreformen und zusätzliche Finanzierung unerläßlich sind. Zur Strukturreform hat die Hochschulrektorenkonferenz in den vergangenen Jahren Konzepte vorgelegt, die von Ländern und Bund im Kompromiß zur Novellierung des Hochschulrahmengesetzes aufgegriffen worden sind. Notwendig ist bei der Finanzierung eine Prioritätensetzung zu Gunsten von Qualifikation und Forschung. Dazu hat die Hochschulrektorenkonferenz ein Innovationsprogramm für die Hochschulen vorgelegt. Es ist Sache der Politiker, die vorgelegten Konzepte aufzunehmen und umzusetzen und ihren Worten Taten folgen zu lassen.